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Villach auf dem Weg zum Energie-Selbstversorger
Zukunftsweisende Vorschläge der Villacher Grünen
Die stärkere Nutzung der heimischen Rohstoffe wie Biomasse, Sonnenenergie etc. ist die beste Antwort auf Klima-Erwärmung, Erdölknappheit und die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise. Wenn wir die Energieträger nutzen, die uns in der Region zur Verfügung stehen, fließt weniger Kaufkraft ab und mehr Arbeitsplätze werden geschaffen. Derzeit müssen wir etwa 70 % der ver brauchten Energie importieren. Drängen wir diese Importabhängigkeit zurück, stärken wir die lokale Kaufkraft. Neue Biomasse- und Solar-Kraftwerke sind krisenfest, stehen immer der heimischen Wirtschaft zur Verfügung, die können nicht an irgendeiner Börse verspekuliert werden. Energieproduktion aus der Region macht uns versorgungssicher und schützt uns vor Erpressungen durch russische oder sonst irgendwelche Energielieferanten. Erneuerbare Energien entlasten zusehends auch die Brieftasche! Sie sind in einigen Fällen schon jetzteine kostenmäßige Alternative zu den fossilen Energieträgern Öl, Kohle und Gas. In Zukunft werden sie mit der Verknappung von Erdöl etc. in noch viel stärkerem Maße kostenmäßig konkurrenzfähig sein. Die positiven Arbeitsplatzeffekte für die Region sind nicht zu verachten. Biomasse-Energie-Lieferun gen stärken die Landwirtschaft, aber auch Industrie und Gewerbe profitieren zusehends. So be schäftigt etwa allein die Solarkollektoren produzierende Firma Green-one-tec aus St. Veit derzeit 350Mitarbeiter/innen – mit Trend nach oben. Österreichweit zählt die Solarbrache allein derzeit (2007) bereits 7.700 Beschäftigte. Entscheidend verbessert sich natürlich die Umweltsituation mit der Energiewende. Treibhausgase werden nur in geringem Maße ausgestoßen, auch die Feinstaub-Belastung verringert sich. Um den Anteil der erneuerbaren Energien zu erhöhen, wird die Stadt Villach einiges Geld in die Hand nehmen müssen. Dieses ist aber gut angelegt, denn es dient nicht nur der Steigerung der Umweltquali tät, sondern auch der Schaffung eines positiven wirtschaftlichen Klimas.
Die Grünen haben für den Weg Villachs zum “Energie-Selbstversorger” viele Vorschläge:
1) Villacher Energiebetriebe
Nach den Vorstellungen der Grünen sollen Villacher Energiebetriebe unter städtischer Leitung entstehen. Sie werden Villach auf den Weg zum Energie-Selbstversorger führen – in Kooperation mit privaten Firmen als Know-how-Träger. Die Gelder des Kelag-Fonds sollen für diese Aufgabe zweckgebunden werden. Durch einen Gründungsauftrag wird die Durchführung von Solarenergie-, Biomasse- und Biogas-Projekten zur Haupt-Aufgabe der Villacher Energiebetriebe gehören – neben der Finanzierung von Energiesparmaßnahmen über Contracting-Verträge etc.
Bereits 1994 – im Jahr des Verkaufs der Kelag-Aktien – forderten die Grünen die Errichtung Villacher Energiebetriebe. Wir schrieben damals in der grünen „Stadtzeitung”: „Villacher Energiebetriebe sind energiepoltisch sinnvoll. Sowohl die Energiesparpolitik... als auch Maßnahmen zur verstärkten Nutzung erneuerbarer Energieträger lassen sich wirkungsvoller auf kommunaler Ebene lösen.”
Das Kraftwerk in der Schütt war einmal im Besitz der Gemeinde Villach. Die Stadt hatte ursprünglich eigene „Energiebetriebe”. Heute gehört das Kraftwerk wegen der neoliberalen Verkaufspolitik der verantwortlichen Gemeinde- und Landespolitiker zu einem Großteil der RWE, dem Energieriesen aus dem Ruhrgebiet.
2) Strom-, Kohle- Öl- und Gas-Heizungen umstellen
Der Anteil der Strom-, Kohle- und Ölheizungen für die Raumwärme liegt in Villach bei weit über 50 %. Diese Heizungsarten sind wegen er mit ihnen verbundenen hohen Treibhausgasemissionen ökologisch unvorteilhaft. Das Ziel müsste es sein, mittelfristig die Raumwärme in Villach zu 100 % mit erneuerbaren Energieträgern zur Verfügung zu stellen.
Zur Erreichung dieses Ziels muss die Stadt Villach auch ihren Beitrag leisten. Für Pellets-, Hackschnitzel- und teilsolare Raumheizungen soll es einen städtischen Förderbetrag geben, auch wenn das Land über die Aktion “Erneuerbare Wärme” den Hauptteil der notwendigen Fördermaßnahmen trägt.
3) Weiterer Ausbau der Fernwärme – Fernwärme aus Biomasse
Derzeit liefert die Kelag-Tochter Wärmbebetriebe GmbH etwa 100 GWh pro Jahr an die Villacher Kunden. Das sind etwa 5 % des gesamten Villacher Energieverbrauchs. In Zukunft (ab Frühjahr 2010) soll ein Großteil dieser Wärmemenge dank der privaten Initiative des Unternehmers Hans Griesser mit erneuerbaren Energieträgern aufgebracht werden.
Da die Wärmeversorgung der Gebäude über Fernwärme dann eine ökologisch optimale Variante ist, sollte das Fernwärmenetz weiter ausgebaut und eine größere Anschlussdichte angestrebt werden. Die Wämbebetriebe GmbH liefern derzeit etwa 1,7 MWh pro Einwohner und Jahr; in Graz ist die Fernwärme-Anschlussdichte fast doppelt so hoch (3,2 MWh pro Einwohner und Jahr). Es muss also trotz der stärkeren Zersiedlung Villachs möglich sein, die Zahl der Fernwärme-Anschlüsse drastisch zu erhöhen.
Jahrelang wurde die Fernwärme Villachs fast ausschließlich mit Erdgas erzeugt. Die Grünen haben im Gemeinderat den Beschluss einer Umstellung auf Biomasse erreicht. Bürgermeister Manzenreiter konnte diesen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss allerdings nicht gegenüber den Kelag-Verantwortlichen durchsetzen.
Erst der Initiative des privaten Unternehmers Hans Griesser und den besseren Einspeisebedingungen für Strom aus Biomasse ist es zu verdanken, dass in Hinkunft ein Großteil der Villacher Fernwärme mit erneuerbaren Energien erzeugt wird (Biomasse, Abwärme Omya...)
Bereits seit September 2008 produziert das Biomasse-Kraftwerk auf der Fellach mittels einer Dampfturbine
Strom und Abwärme. Im Bau ist am selben Standort als zweite Anlage das größte Biomasse-Kraftwerk Österreichs. Mit Hilfe eines Wirbelschichtkessels soll Holzgas produziert werden, das in Gasmotoren für die Stromerzeugung eingesetzt wird. Die Abwärme fließt ins Villacher Fernwärmenetz. Das ist eine Pioniertat, für die Hans Griesser berechtigter Weise mit dem Villacher Umweltpreis ausgezeichnet wurde. Nach der Inbetriebnahme der zweiten Anlage (vermutlich ab dem Frühjahr 2010) können dann die Erdgaskessel der Kelag-Tochter Wärmebetriebe GesmbH heruntergefahren werden; sie dienen ab diesem Zeitpunkt im Wesentlichen der Reservehaltung, falls es in den beiden Biomasse-Kraftwerken unvorhergesehen zu einem Betriebsstillstand kommt.
Das Bild zeigt das Biomasse-Kraftwerk auf der Fellach. Es erzeugt über eine Dampfturbine Strom und Wärme. Nebenan sieht man die Baustelle zur Errichtung der größten österreichischen „Holz- vergaser”-Anlage (mit Baukran). Sie soll ab Frühjahr 2010 in Betrieb gehen und ebenfalls Strom und Abwärme erzeugen.
4) Transparenz bezüglich Fernwärme
Das Recht zur Errichtung eines Fernwärmenetzes wurde der Kelag von der Stadt Villach wegen des öffentlichen Interesses zugestanden. Die Kelag-Tochter Wärmebetriebe GesmbH hat aber damit faktisch eine Monopolstellung in der Stadt. Sie ist der einzige Fernwärme-Anbieter. Die Grünen verlangen die Offenlegungspflicht bezüglich der Preisgestaltung und der energiepolitischen Grundsätze sowie eine unabhängige Kontrollmöglichkeit, etwa über das Gemeinde-Kontrollamt.
5) Förderung von Elektroautos
Mehr als ein Drittel der Treibhausgasemissionen Villachs stammen aus dem Sektor Verkehr. Natürlich müssen wir hier vor allem mit dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs etc. gegensteuern. Aber auch Elektroautos sind eine umweltfreundliche und letztlich kostengünstige Alternative. Sie verursachen im Alltagsbetrieb keine Abgase; für 100 gefahrene Kilometer braucht man etwa zwei statt zehn Euro “Spritkosten”, weil Elektroautos
einen viel höheren Wirkungsgrad haben (keine ungenutzte Abwärme). Obwohl wegen des derzeit noch höheren Anschaffungspreises die Zeit der Elektroautos erst langsam beginnt, sollte Villach eine Vorreiterrolle übernehmen und die Anschaffung von Elektroautos finanziell fördern – wie dies übrigens auch das Land Oberösterreich macht.
Die grünen Gemeinderätinnen Susanne Zimmermann und Sabina Schautzer erreichten bereits, dass die Stadt Villach den Kauf eines Elektro-Fahrrades oder eines Elektrorollers mit 100 € fördert.
7) Solarthermische Großanlagen
Auf dem Bild die Solaranlage des Stadions Graz-Liebenau. Sie verfügt über eine Kollektorfläche von über 1.400 m2 und wurde bereits 2002 in Betrieb genommen. Sie war damals die größte Solaranlage Österreichs. Die Stadt Graz plant die Errichtung vieler derartiger solarthermischer Großanlagen.
8) Großanlagen zur solaren Stromerzeugung
Ein positives Beispiel dazu aus dem Ausland: Im Auftrag der Stadtwerke Ulm in Süddeutschland errichtete die Firma Phönix eine Photovoltaik-Großanlage auf dem Dach einer Werkshalle. Im Dezember 2008 haben Techniker die 18.000 Quadratmeter Solarmodule ans Netz angeschlossen. Dieses Solarkraftwerk wird pro Jahr rund 2,3 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen und damit den Strombedarf von etwa 650 Haushalten mittlerer Größe decken. Die Stromkunden können sich an der Anlage finanziell beteiligen. Die Stadt Ulm ist nur ein wenig größer als Klagenfurt ( siehe die Hompage der UlmerStadtwerke).
Was in Süddeutschland geht, müsste ebenso in Villach möglich sein, auch wenn die Einspeise-Bedingungen für Solarstrom in Österreich schlechter sind. Die Stadt soll mit Hilfe der „Villacher Energiebetriebe” einige große Solarstrom-Anlagen auf öffentlichen Flächen fördern und so auch die Bundesregierung bezüglich energischer Schritte auf dem Photovoltaik-Sektor unter Druck setzen.
Dass Österreich hier einigen Aufholbedarf hat, zeigt folgender Vergleich: Österreich erzeugt 0,3% seines Stroms aus Photvoltaik-Anlagen, das benachbarte Bayern die fünffache Menge (1,5 %).
9) Wärmedämmoffensive
Die Hälfte des Endenergieverbrauches wird in Europa und auch in Österreich für die Raumwärme und Kühlung ausgegeben (EREC 2006. European Renewable Council; www,erec-renewables.org). Bundesweit hat es sich bereits herumgesprochen, dass man mit einer hochwertigen thermischen Sanierung der Gebäude große Energiespar- und auch positive Beschäftigungseffekte erzielen kann.
Die Stadt Villach soll gerade jetzt in einer Zeit der beginnenden Wirtschaftskrise einen eigenen außerordentlichen Budget-Posten für die vorzeitige Sanierung von Gebäude einrichten. Damit könnte die Stadt viele Arbeitsplätze auf dem Bausektor sichern bzw. neu schaffen. Es müsste auch eine Aufgabe der zu errichtenden „Villacher Energiebetriebe” sein, Contracting-Verträge vorzufinanzieren und so die Sanierung von Gebäuden leistbarer zu machen.
Voraussetzung natürlich wäre eine hochwertige thermische Sanierung der Gebäude zumindest auf dem Niedrighausstandard: maximal 70 Kilowattstunden Heizenergiebedarf pro m2 Raumfläche und Jahr. Nichtsanierte Wohnhäuser aus den 60er und 70er Jahren benötigen etwa 300 KWh pro m2 Raumfläche und Jahr.
Die Gemeinde Schwanenstadt in Oberösterreich als Vorbild: Bei der Generalsanierung der Hauptschule II und Polytechnischen Schule wurde der Passivhaus-Standard eingehalten! (Bericht auf www. nachhaltigwirtschaften.at) Mit diesem Projekt zeigt Schwanenstadt österreichweit den Weg. Die Stadt Villach sollte diesem positiven Beispiel folgen.
10) Passivhaus-Standard für Sanierung öffentlicher Gebäude
Villach hat zwar bei den stadteigenen Gebäuden schon einiges bezüglich der Wärmedämmung getan – nicht immer allerdings auf höchstem Niveau. Für die zukünftige Sanierung öffentlicher Gebäude sollte der Passiv-Haus-Standard selbstverständlich werden. Er legt einen Heizwärmebedarf von maximal 15 kWh pro m2 und Jahr zugrunde. Die Gebäude bedürfen keiner konventionellen Heizung mehr. Eine kontrollierte Wohnraum-Belüftung und Entlüftung ist notwendig.
11) Energie-Plus-Haus – Vorzeigeprojekte
Energie-Plus-Häuser erzeugen mehr Energie als sie brauchen – im Wesentlichen mit Solaranlagen am Dach und Wärmepumpen im Keller.
Der Leiter der Villacher Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energien, Armin Themmessl hat in Eigenregie ein kleineres „Energie-Plus-Haus” auf die Füsse gestellt.
Die Stadt Villach sollte einige Vorzeige-Projekte im mehrgeschossigen Wohnbau finanziell ermöglichen.
Der Vorteil für die Mieter: es fallen ganzjährig keine Energiekosten mehr an.
Im Burgenland entstanden in der Gemeinde Rudersdorf auf Initiative des dortigen Bürgermeisters Franz Eduard Tauss bereits zwei Plus-Energie-Mehrfamilien-Wohnhäuser mit je sechs Wohneinheiten.
In Rudersdorf im Südburgenland entstand auf Initaitive des dortigen Bürgermeisters Franz Eduard Tauss dieses Plusenergie-Mehrfamilien-Wohnhaus, das sofort ausgebucht war.
12) Biogasanlagen
In Wollanig existiert bereits eine Biogasanlage. In Villach fallen aber biogene Abfälle in viel größerem Ausmaß an.
Es wären der Bau von mehreren Biogasanlagen sinnvoll, damit die Anlieferung ohne größere Wegstrecken erfolgen kann.
Biogas entsteht aus der kontinuierlichen Vergärung von nachwachsenden Rohstoffen. Das methanhaltige Biogas wird in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt.
13) Treibstoffe aus Biomasse
Die Gewinnung von Treibstoffen aus Nahrungsmitteln (Mais etc.) lehnen die Grünen ab.
Doch es ist möglich, aus Holz eine Art synthetisches Erdgas herzustellen. Mit diesem können Erdgasautos betrieben werden.
In Güssing, dem Mekka der erneuerbaren Energienutzung Österreichs, wurde bereits eine Anlage zur Veredelung des Holzgases in Betrieb genommen. Würde so eine Anlage auch in Villach errichtet, könnte zum Beispiel die städtische Autoflotte auf Gasbetrieb umgestellt werden und gasbetriebene Busse auf den Dobratsch fahren (keine Gefahr der Verseuchung des Trinkwassers bei Unfällen).
14) Offensive solares Kühlen
Kühlenergie ist etwa in Großmärkten das ganze Jahr über notwendig. Für die Gebäudekühlung fällt sie vor allem im Sommer, also zu Zeiten an, in denen viel Sonnenenergie zur Verfügung steht. Derzeit wird für die Kühlung im Wesentlichen Strom verwendet.
Villach sollte eine Offensive starten zur Erzeugung von Kühlenergien über Solaranlagen bzw. über Fernwärme-Anschluss. Derartige Kältemaschinen sind in verschiedensten Dimensionen bereits am Markt erhältlich. Auch für so eine Offensive wären die „Villacher Energiebetriebe” von Vorteil.
15) Städtische Energie- und CO2-Bilanz
Zumindest alle vier bis fünf Jahre soll eine eigene städtische Energie- und CO2-Bilanz erstellt werden, damit die Erfolge der städtischen Energiepolitik realistisch eingeschätzt werden können.
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